Kochen in Zeiten von Corona

Ausbleibende Aufträge, Kurzarbeit: Corona hat leider dazu geführt, dass bei Vielen ein finanzieller Engpass aufgetreten ist. Mit der Geldknappheit einher geht allerdings meist ein Gewinn an Zeit. Und die verbringen Viele offenbar gern in der Küche.

Unter den zahlreichen mehr oder minder albernen Sprüchen, die in den ersten Wochen der Ausgangsbeschränkungen zu erheitern versuchten, lautete einer: Nach der Quarantäne wird die eine Hälfte der Leute zu Chefköchen geworden sein, die andere Hälfte zu Alkoholikern. Aber es scheint ja tatsächlich etwas dran zu sein, das legt zumindest der flächendeckende Ausverkauf von Mehl, Hefe und von Dosentomaten – nicht als Fertigsaucen, sondern als pure Frucht, die als Basis für Selbstgekochtes dient – nahe. Da ich nicht zum medizinischen Fachpersonal gehöre, dem Corona kaum Zeit zum Kochen lässt, sondern mein Job normalerweise darin besteht, über Restaurants zu schreiben, was während der Komplettsperre der Gastronomie nicht möglich war, bot sich mir noch mehr Muße zu kochen, als sonst.

Ohnehin gibt es bei mir daheim nur Selbstgekochtes. Jetzt aber auch so zeitaufwendige Gerichte wie frischgefüllte Weinblätter, hausgemachte Nudeln und Tortellini sowie diverse selbstgebackene Brote. Hier gleich mal ein Tipp, wie man Hefe sparen kann: Nach der Beschreibung auf der Packung reicht ein Tütchen Trockenhefe gerade mal für 500 Gramm Mehl. Das ist aber nur nötig, wenn man kurzen Prozess machen will. Je mehr Zeit Sie dem Teig lassen, desto weniger Hefe benötigen Sie. Setzen Sie den Teig abends an und lassen ihn über Nacht gehen, reicht ein Viertel des Tütcheninhalts. Und wenn Sie öfter backen, lohnt es sich unbedingt, einen kleinen Rest Teig aufzuheben und verschlossen im Kühlschrank aufzubewahren. Das dient beim nächsten Mal als Basis für den Teigansatz, und dann braucht es in Zukunft gar keine zugekaufte Hefe mehr. Das gilt ebenso für den deutlich teureren fertigen Sauerteigansatz, den Sie ebenfalls nur benötigen, wenn es schnell gehen muss ist. Denn lassen Sie Hefeteig lang genug gehen, verwandelt er sich ganz von selbst in Sauerteig.

Kochen ist nicht nur ein feiner Zeitvertreib, es lebt sich auch gesünder mit Selbstgekochtem. Mehr als 70 Milliarden Euro bezahlen wir für die Behandlung von ernährungsbedingten Krankheiten. Nur bei uns. Jahr für Jahr. Größtenteils sind diese Erkrankungen auf industriell gefertigtes Essen zurückzuführen. Mögen vor etlichen Jahrzehnten Fertiggerichte noch eine emanzipatorische Funktion gehabt haben, weil sie Frauen ein Leben außerhalb der Küche ermöglichten, ist es heute eher Zeit, uns von der Lebensmittelindustrie zu emanzipieren – und sich die Küchenarbeit selbstverständlich zu teilen

Schließlich lässt sich durchs Kochen auch Geld sparen. Jedenfalls dann, wenn man nicht versucht, Drei-Sterne-Menüs nachzukochen, sondern sich beim Fleisch zurückhält, gemüselastig kocht und dabei auch die Jahreszeiten respektiert. Karotten, Zwiebeln, Sellerie, verschiedene Kohlarten, Lauch, Kartoffeln, rote Bete und Champignons sind rund ums Jahr für wenig Geld zu bekommen, aus ihnen lässt sich eine unendliche Vielfalt von Gerichten zubereiten und keineswegs nur schlichte. Wer sich die Mühe macht und einen pikant gewürzten Krautstrudel herstellt oder mit dick eingekochtem Zwiebelmus gefüllte Ravioli oder eine Lauch-Karotten-Quiche, kann damit auch als Gastgeber glänzen, ohne sich finanziell zu verausgaben. Auf der Suche nach günstigen Rezepten wird man übrigens in überraschendem Umfeld fündig: Die französische Küche bietet tolle Gerichte für wenig Geld, Beispiel Zwiebelsuppe, Beispiel Kartoffelgratin.

Ganz nebenbei entziehen wir, wenn wir unsere Mahlzeiten selbst herstellen, der Junkfood-Industrie den Boden. Am Ende machen wir alles aus ökologisch angebauten Grundzutaten selbst und brauchen nichts mehr von Nestlé und Konsorten – wäre das nicht schön?

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